Beschneidung der Rechte, und andere Opportunismen

Rechtsexperte Norbert Geis: CSU-Politiker: Beschneidung dient dem Kindeswohl

So titelte gestern 1.8.2012 ein auf  focus.de  erschienener Artikel, welcher, so meine ich, an Inkompetenz, Opportunismus und Heuchelei des Interviewten kaum mehr überbietbar zu sein scheint, obwohl man sich bei den Taschenspielern und Jongleuren der Politik der Tatsache schon bewusst sein muss: schlimmer geht’s immer.

Halten Sie sich bitte vor Augen, dass es sich bei den Aussagen im Artikel von focus.de nicht etwa um die Konklusion irgendwelcher Befragungen von Passanten in der Fußgängerzone handelt.  Sooo? Weit gefehlt! Es handelt sich um die Aussagen eines CSU-Politiker aus Deutschland, welcher mit dem „verführerisch“ seriös klingenden Schildchen „Rechtsexperte“, seinem opportunistischen Nonsens ein zur Täuschung dienendes Mäntelchen umhängen will.

„Es geht um das Wohl des Kindes“,

Ach tatsächlich?

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„Ich sehe deshalb körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit nicht als Gegensatz.“

Keine juristisch, sondern die Formulierung eines Blenders, namens Norbert Geis

Um jedoch Missverständnissen vorzubeugen müsste es richtig heißen: Ich sehe das Beschneidungsverbot kleiner Jungs nicht als Gegensatz zur Religionsfreiheit

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„Ich tue damit meinem Kind etwas Gutes, weil es durch die Beschneidung in die jüdische Religionsgemeinschaft aufgenommen wird.“

Sagte der „Rechtsexperte“ und schliff das Messer

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Jetzt kommt es zum Höhepunkt, also noch nicht ganz aber fast

Solange das Kind nicht für sich selbst entscheiden könne, sei es die Aufgabe der Eltern, das Kindeswohl zu definieren.

Also: „Aufgabe der Eltern, das Kindeswohl zu definieren“.

Wenn es Ihre geschätzte Zeit erlaubt, dann googeln Sie mal drauf los zum Thema „Kindesentziehung“. Und wenn Sie schon beim Googeln sind, spricht nichts dagegen, so denke ich, die Bedeutungsmöglichkeiten von „Beschneidung“ zu eruieren.  Eins kann ich Ihnen jetzt schon verraten:
Beschneidungen sind NIE zum Wohle der Betroffenen gedacht.

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Meinungsumfragen könnten dabei für das Handeln der Politik nicht ausschlaggebend sein, sagte Geis dem Magazin: „Manchmal muss man die Minderheit gegen die Mehrheit verteidigen.“

Sie haben sicherlich schon mal was von „Exklusiv-Rechten“ gelesen. Das hier wäre so ein exklusives Recht

WANN und in welchem Kontext das so sein muss, behält sich der „Rechtsexperte“ LOL, der das Recht für sich und seine Freunde nach Gutdünken zu beugen im Begriffe ist, natürlich selbst vor.

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Weiter geht’s

Das Gesetz müsse respektieren, dass sich eine Religion in grundsätzlichen Positionen nicht verändern könne, „weil sie sonst ihren Wahrheitsanspruch aufgeben müsste“

Ah! Das Gesetz muss es also respektieren?! Nicht der Herr Geis, sondern das Gesetz muss es also – very interesting.

die einzige grundsätzliche Position, die eine Religion unveränderlich aufzuweisen hat ist der Glaube an Gott und sonst gar nichts.

Zur Erinnerung: 

Bereits im 20. Jahrhundert war der menschliche Geist einiger damaliger Zeitgeister so hoch entwickelt, dass man „die g’sunde Watschen“, zurecht als üble Misshandlung des Kindes erkannte, und Diese deshalb als völlig Geist förderfreies Mittel, aus dem vergammelten Almanach für Erziehungshilfen, zum Wohle des Kindes entfernte. Das gleiche könnte man auch bei der Religion tun, sie zu entstauben ohne jedoch Gefahr zu laufen, dass die Religion dadurch ihren Wahrheitsanspruch aufgeben müsste.

Jetzt kömmt die Heuchelei.

Aufgepasst:

Der Respekt vor der Religion gebiete, dass der Bundestag tätig werde. „Ich würde mir übrigens wünschen“, sagte Geis, „dass dem Christentum dieselbe Achtung entgegengebracht wird.

Ach soooo, der Respekt vor der Religion? und nicht etwa der Respekt vor Gott oder etwa, und das bloß im Geringsten, wenigstens aus Respekt vor dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, welches auch für Kinder zu gelten hat, wenn Geis schon vom Wohle schwafelt.

Nein, „der Respekt vor der Religion gebiete, dass der Bundestag tätig werde„. Haben Sie das gehört … ich meinte natürlich, gelesen?

Conclusio:

Wenn Deutschland ein Rechtsstaat ist, so müsste das Justizministerium ohne unnötigen Aufschub tätig werden, und diesen Feind der Juristerei per Richterlichem Beschluss, all seiner Ämter entheben lassen, weil Diese der gar nicht Recht-Gelehrte Gaukler Geis im Knast sowieso nicht mehr wird ausüben können. Im Knast soll sich Geis doch gleich selbst beschneiden lassen – aber wenn schon dann bitte: Traditionell.

mfg, die Wahrheitsfindung

P.S.: Juristerei heißt: Widerspruchsfreiheit anstreben.  Denn:  Nur ein von Widersprüchen freies Gesetz führt zu Recht und somit zu wahrer Gerechtigkeit

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6 Responses to Beschneidung der Rechte, und andere Opportunismen

  1. Ich hoffe Sie haben’s selbst auch bemerkt? … naja, das Hintertürl, was sich Norbert Geis offen ließ! Welches? Das Folgende:

    „Ich sehe deshalb körperliche Unversehrtheit und Religionsfreiheit nicht als Gegensatz.“.

    Ein Hintertürl, wo der 73 Jahre alte CSU-Politiker jederzeit im Nachhinein sagen kann, dass er sich NIE für die Beschneidung ausgesprochen hat, sondern vom Focus.de bloß falsch zitiert wurde.

    Denn: das Beschneidungsverbot garantiert die körperliche Unversehrtheit

    Und dieses „falsch Zitiert“ worden sein, könnte mitunter sogar stimmen. Dem Focus würde ICH es zumindest ohne weiteres zutrauen, (dazu später genaueres) dass Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen und die Aussagen verschwommen wiedergegeben werden, um damit nicht die Kern-Aussagen des Interviewten zu verbreiten, sondern, durch manipulativ aufbereitete Artikelschreibung versucht wird, die Stoßrichtung vorzugeben, um letztendlich irgendwelchen übergeordneten dubiosen Interessen zu dienen. Gegen Money – natürlich, denn: Monet non olet.

    Dubiose Interessen?

    Ja, Natürlich! Lesen Sie selbst:

    Welt-Aids-Konferenz- Beschneidung gegen Aids? Die neuesten Erkenntnisse der HIV-Forscher

    Wie süß? Ganz Zeit gerecht und gar nicht zufällig kommen der Debatte von Beschneidung-Fanatikern die „Neuesten Erkenntnisse“ der HIV-Forscher LOL unterstützend zugeflogen. Das Präteritum von lügen steckt bereits erhellend drinnen.

  2. Rudolf Root sagt:

    @wahrheitsfindung:
    Sie meinten „Pecunia non olet“.

  3. holey spirit sagt:

    Dieser Analyse und Polemik möchte ich weitgehend zustimmen.
    Kleine Präzisierung:
    Beschneidungen ohne strenge medizinische Indikation sind NIE zum Wohle der Betroffenen gedacht.

  4. ad Rudolf Root

    Danke für Ihren erhellenden Input – genau das meinte ich „Pecunica non olet“

    Haben Sie bitte Nachsicht für mein entgleiten der Feder 🙂

    —————–

    update 3.8.2010

    Auflösung: Die Verwendung von „Monet non olet“ entspricht natürlich keinem ent- oder ausgleiten der Feder (Lapsus Calami), sondern vielmehr einer Variation von „Pecunia“ non olet, wobei ich statt „Pecunia“ mit „Monet“ variierte, was vom Sprach technischen Gesichtspunkt aus betrachtet sogar den üblichen Gepflogenheiten entspricht.

    Monet“ ist gekürzt (weil ich finde dass es sich gekürzt besser ins Lateinische integriert) und steht für „Moneten“ – und „Moneten“ wiederum für’s liebe „Geld„, für das manche Alles in kauf zu nehmen scheinen 😉

    hoffe damit erhellt zu haben

    mfg, die Wahrheitsfindung

  5. holey spirit

    Genau, das sowieso! Vollkommen der selben Ansicht!

    Jedoch muss das Wort „Beschneidung“ auch noch im anderen Kontext begriffen werden und zwar im Sinne von „Benachteiligung“ durch „Beschneidung von Rechten“ usw. Dann macht der oben angeführte Satz halt ja Sinn, wenn ich schreibe: „das Beschneidungen NIE zum Wohle der Betroffenen gedacht sind“.

    Das heißt: das Wort „Beschneidung“ selbst deutet auf eine Schädigung des Betroffenen hin.

    Eine streng nach medizinischen Indikationen durchgeführte Beschneidung ist legitim. Der Mediziner will dadurch ja nicht einer Religion genüge tun, sondern mit dieser Art Beschneidung dem Betroffen helfen, sich weitere Zusatz-Komplikationen zu ersparen, welche bei einer unbehandelten Vorhaut-Verengung (Phimose) nicht unwahrscheinlich sind.

    mfg

  6. great post! i am just starting out in community management marketing media and trying to learn how to do it well – resources like this article are incredibly helpful.

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